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07.12.17

PwC: Neue Basel IV-Regeln zwingen Banken zur Überprüfung ihrer

Unternehmensstrategie

Frankfurt am Main (ots) - Basel IV: Baseler Ausschuss für

Bankenaufsicht veröffentlicht neue Regelungen zur Berechnung von

risikogewichteten Aktiva (Risk-Weighted Assets, RWA) /

Standardisierte Ansätze sind risikosensitiver geworden / Mehr

Einschränkungen für interne Modelle / Hoher Capital Floor von 72,5

Prozent / PwC-Experte Martin Neisen: "Trotz einer deutlichen

Entschärfung der neuen Regelungen im Vergleich zu den Entwürfen,

müssen einzelne europäische und deutsche Banken mit einer deutlichen

Erhöhung der RWA von 10-15% rechnen."

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hat das überarbeitete

Rahmenwerk zur Berechnung von risikogewichteten Aktiva und Capital

Floors vorgestellt. Die standardisierten Ansätze sind

risikosensitiver geworden, während die Verwendung interner Modelle

mehr Einschränkungen unterliegt. Zusammen mit bereits im letzten Jahr

beschlossenen Regeländerungen beziehen sich die Änderungen bei der

RWA-Berechnung auf alle Risikoarten der Säule 1 und betreffen somit

sämtliche Banken - unabhängig von ihrer Größe, ihrem Geschäftsmodell

und der Verwendung standardisierter oder fortgeschrittener Ansätze

für die aufsichtsrechtliche Eigenkapitalberechnung. Eines der

kontroversesten diskutierten Elemente des Reformpakets ist die

Einführung eines hohen Capital Floors von 72,5% bei internen

RWA-Modellen.

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht verfolgt gleich mehrere

Ziele mit den neuen Regeln. Zum einen soll das Vertrauen in

sogenannte interne Modelle erhöht werden, zum anderen werden

insbesondere die Standardverfahren deutlich risikosensitiver und so

angepasst, dass den Veränderungen der Kapital- und Kreditmärkte der

Advertisement

letzten Jahre Rechnung getragen wird. Bei den sogenannten

Operationellen Risiken dürfen keine interne Modelle mehr verwendet

werden und es wird ein einheitlicher Standard für alle Banken

eingeführt. Eine Einigung bei der Überarbeitung der Regeln für

Kredite an Staaten konnte nicht erzielt werden.

Auswirkungen auf Unternehmensstrategie und Geschäftsmodelle der

Banken

Obwohl die finalen Regelungen im Vergleich zu den ursprünglichen

Entwürfen stark entschärft wurden, müssen insbesondere einige

europäische und auch deutsche Institute mit deutlichen Erhöhungen

ihrer RWA und somit mit niedrigeren Kapitalquoten rechnen. Die

Änderungen wirken sich jedoch sehr individuell aus. Während einige

Institute mit einer Erhöhung von bis zu 10-15% rechnen müssen,

profitieren andere Banken sogar von den Neuerungen. Das tatsächliche

Ausmaß hängt stark von den bestehenden Geschäftsmodellen ab und von

der Frage, inwieweit interne Modelle zur Messung der Risiken in der

Vergangenheit herangezogen wurden.

"Die geplanten Änderungen werden dazu führen, dass die Banken die

Eigenkapitalanforderungen in ihren Geschäftsbereichen überprüfen und

gegebenenfalls ihre Produkt- und Preisgestaltung anpassen müssen. Das

überarbeitete Rahmenwerk wird sich daher auf die

Unternehmensstrategie und die Geschäftsmodelle der Banken auswirken.

Der Baseler Ausschuss rechnet mit einer gewissen Kapitalumverteilung

im Finanzsystem", sagt Martin Neisen, Global Basel IV Leader und

Partner bei PwC Deutschland. "Im Fokus der größeren Banken dürften

die festgelegten Capital Floors stehen. Einige Banken werden vor

allem darüber nachdenken müssen, wie sie ihre Infrastruktur und die

verwendeten Technologien verbessern können, um die Menge der Daten

und deren Granularität bewältigen zu können. Diese sind angesichts

der nun komplexeren standardisierten Ansätze gestiegen."

Banken sollten trotz langer Fristen jetzt handeln

Das Reformpaket wird ab 2020 stufenweise bis 2027 eingeführt. Auch

der bereits 2016 verabschiedete neue Standard für Marktpreisrisiken

wird auf 2022 verschoben, so dass alle Neuerungen in einem "Big Bang"

eingeführt werden. Dies ermöglicht es den Banken, die

Kapitalauswirkungen, die aus den neuen Anforderungen entstehen,

besser steuern und bewältigen zu können. Zudem sind die nationalen

und europäischen Gesetzgeber gefragt, um das Basel IV-Paket in

nationales bzw. europäisches Recht zu überführen und entsprechende

Umsetzungsfristen festzulegen.

Die neuen Regeln werden auch auf andere Unternehmen der

Finanzbranche Auswirkungen haben. Erhöhen sich die Kapitalkosten für

einzelne Geschäfte bei den Banken, wird sich dies in den Zinsen und

Provisionen widerspiegeln. Konkurrenten der Banken wie zum Beispiel

Versicherungen, Hedgefonds oder FinTechs stehen bereits in den

Startlöchern um Geschäfte zu übernehmen, die aufgrund der neuen

Regeln für Banken unattraktiv werden.

"Auch wenn der Zeitpunkt für die Umsetzung des Reformpakets

scheinbar noch in weiter Ferne liegt, müssen alle Banken jetzt

handeln", sagt Martin Neisen. "Mit der Entscheidung des Baseler

Komitees hat die Bankenbranche nun endlich Klarheit bekommen. Aber es

ist offensichtlich, dass die Banken viel Zeit, Aufwand und

beträchtliche Ressourcen benötigen werden, um die Auswirkungen der

Reformen zu verstehen, umzusetzen und zu bewältigen."

Angesichts des Ausmaßes der Änderungen werden die heute

veröffentlichten Reformen zusammen mit den vorangegangenen

Veröffentlichungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, die

neben einer Änderung der Berechnung der risikogewichteten Aktiva

(RWAs) auch den im Januar 2016 veröffentlichten überarbeiteten

Markrisikorahmen umfassen, gemeinhin als "Basel IV" bezeichnet.

OTS: PwC Deutschland

newsroom: http://www.presseportal.de/nr/8664

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Pressekontakt:

Attila Rosenbaum

PwC Communications

Tel.: (0211) 981 - 5374

E-Mail: attila.rosenbaum@pwc.com

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