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14.06.18

Börsen-Zeitung: Besser (zu) spät als nie!, Kommentar zur EZB von Mark

Schrörs

Frankfurt (ots) - Die EZB hat es also getan: Nach der gestrigen

Zinssitzung stellte der EZB-Rat ein Ende der in Deutschland heftig

kritisierten Anleihekäufe (Quantitative Easing, QE) zum Jahresschluss

2018 in Aussicht. Zwar ließ sich der Rat einige Hintertürchen offen

und EZB-Präsident Mario Draghi betonte wiederholt die "Flexibilität"

der Euro-Hüter. Unter dem Strich steht aber die Botschaft: Mit QE ist

Ende 2018 Schluss. Das ist gut so - und aktuell durchaus auch mutig!

Denn so mancher Beobachter runzelt die Stirn, dass die Europäische

Zentralbank (EZB) ausgerechnet in Zeiten zunehmender globaler

Handelsstreitigkeiten und der politischen Turbulenzen in Italien das

Ende von QE ins Visier nimmt. Trotzdem ist der Schritt mehr als

angemessen: Bei allen Risiken und bei aller Unsicherheit - Wachstum

und Inflation in Euroland rechtfertigen längst keine Geldpolitik

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mehr, die gar noch lockerer ist als in der Weltfinanzkrise. Und auch

ohne zusätzliche QE-Nettokäufe bleibt die Geldpolitik noch auf Jahre

extrem expansiv.

Der ein oder andere spekuliert nun über die "wahren" Beweggründe

der Euro-Hüter. Hat sie das Gefühl beschlichen, den optimalen

Zeitpunkt für den QE-Ausstieg verpasst zu haben? Vielleicht.

Tatsächlich wäre ein früherer Exit nicht nur möglich, sondern

vermutlich gar angezeigt gewesen. Will die EZB Rom klar machen, dass

die neue Regierung nicht auf die EZB hoffen sollte, wenn sie

überzieht? Vielleicht. In jedem Fall ist es ein richtiges Signal,

dass es keine Rettungsaktion der EZB für Italien geben wird. Zur

ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die EZB bei QE zunehmend an

selbst gesetzte Grenzen stößt. Trotzdem ist es positiv, dass sich

Draghi & Co. von den aktuellen Widrigkeiten nicht haben beirren

lassen.

Dass EZB-Präsident Mario Draghi nun die Flexibilität betont, ist

verständlich. Die Hürde für eine Abkehr vom Ausstieg ohne

Gesichtsverlust liegt aber wohl recht hoch - und das sollte sie auch!

Dass der EZB-Rat zugleich einen - wenn auch vagen - Zeitpunkt

benennt, bis zu dem er die Leitzinsen voraussichtlich nicht anhebt,

ist aber heikel. Im aktuellen Umfeld soll das wohl die

Marktteilnehmer für das QE-Ende beschwichtigen. Das aber kann schnell

zum Problem für die Glaubwürdigkeit werden - und die Marktakteure

könnten allzu schnell die eigene Urteilsbildung vernachlässigen. Und

last but not least gilt auch bei den Zinsen zumindest perspektivisch:

Leitzinserhöhungen sollten nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag

vertagt werden.

Bei aller Kritik im Detail bleibt aber das Urteil: Das jetzige

Signal für ein Ende von QE ist absolut richtig - und überfällig. Oder

anders: Besser (zu) spät als nie!

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