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12.10.18

Börsen-Zeitung: Risk on, risk off / Kommentar zu den jüngsten

Aktienmarktturbulenzen von Werner Rüppel

Frankfurt (ots) - Erfahrene Börsianer haben Vorteile. Denn sie

haben schon öfters Pferde kotzen sehen, sprich massive Einbrüche des

Aktienmarkts erlebt. Und dies insbesondere im Spätsommer und Herbst,

also in den Monaten September, August und Oktober. So zum Beispiel

auch beim Crash 1987, der wie der aktuelle Einbruch anscheinend für

etliche Marktteilnehmer aus dem Nichts kam.

Doch stellt sich stets eine ähnliche Gemengelage ein. Erst senken

die "Götter" der Märkte, die heute Jerome Powell oder Mario Draghi

heißen, die Leitzinsen und pumpen massiv Liquidität in die

Wirtschaft, die natürlich auch in die Aktienmärkte fließt. Wenn dann

die Pferde saufen, die Konjunktur anspringt, klettern auch die

Unternehmensgewinne. Die Börse ist im "Risk-on-Modus", gefragt sind

vor allem Wachstumswerte. Dies geht bis hin zu Preisen für einzelne

Titel, die jenseits von Gut und Böse sind.

Erhöhen dann die Götter die Zinsen und kommen verstärkt

Zinserhöhungserwartungen auf, neigt sich also die Liquiditätsparty

ihrem Ende zu, kommt es regelmäßig zu massiven Einbrüchen. Das Dumme

ist nur: Wann bestimmte Segmente deutlich korrigieren, das lässt

sich nicht exakt vorhersagen. Dass es aber, wenn die

Zinserhöhungserwartungen stark ansteigen und die Konjunkturprognosen

abflauen, zu einer Anpassung exzessiv bewerteter Aktienmärkte kommt,

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das ist stets sicher. Wobei in der aktuellen Situation noch die

Gefahr einer Ausweitung des Handelskriegs zwischen den USA und China

zusätzlich belasten dürfte.

"Nun hat es auch die unverwundbaren US-Aktien getroffen", stellt

Stratege Markus Reinwand von der Helaba fest. Zu Recht bewertet er

den jüngsten Einbruch als "Korrektur mit Ansage". Der US-Markt hat

nicht nur andere Aktienmärkte in diesem Jahr noch deutlicher als in

früheren Zyklen outperformt. Reinwand weist zudem darauf hin, dass

der Anstieg der US-Titel nicht allein auf steigenden

Unternehmensgewinnen, sondern auf einer "markanten

Bewertungsexpansion" beruht. So hatte deren Kurs-Gewinn-Verhältnis

(KGV) im Vergleich zu dem der restlichen Welt "historische

Spitzenwerte erreicht".

Insbesondere im Technologiebereich ist es infolge der

Liquiditätsflut zu Exzessen bei einzelnen Titeln gekommen. Und noch

immer werden Netflix oder Amazon mit KGVs für die im Geschäftsjahr

2018 erwarteten Gewinne von 120 oder 98 bewertet. Wer die

Dot.com-Blase erlebt hat, weiß um die Gefahren einer solchen

Bewertung.

Doch nicht nur in Amerika, auch bei einzelnen im TecDax

vertretenen Aktien hierzulande hatten sich die Bewertungen im

Verlauf dieses Jahres massiv ausgeweitet. Bestes Beispiel dafür ist

Dax-Aufsteiger Wirecard, der auch nach der jüngsten Korrektur mit

einem KGV von mehr als 50 (2018 erwartet) teuer ist. Die vom

Unternehmen verkündete Vision 2025 hört sich gut an, doch handelt es

sich dabei zunächst um Zukunftsfantasie. Und etliche Gewinnwarnungen

von Unternehmen in diesem Jahr haben gezeigt, dass verkünden nicht

per se gleich liefern ist.

Befindet sich die Börse im Risk-off-Modus, trifft dies - nicht

zuletzt über Gewinnmitnahmen - besonders die sehr hoch bewerteten

Titel. Dies zumal nicht alle Technologiewerte teuer sind. Mit KGVs

von 18 oder 23 (jeweils 2018 erwartet) werden zum Beispiel Apple

oder SAP wesentlich niedriger bewertet. Und diese etablierten Titel

verfügen auch über Wachstumsperspektiven. Anlegern, die auf Substanz

und attraktive Dividenden setzen, bieten BASF oder Allianz aufgrund

der jüngsten Kursrückschläge bereits Einstiegskurse.

Doch wie geht es weiter an den Aktienmärkten? Wenn ausgehend von

den USA die Kapitalmarktzinsen steigen, wird es zwar insgesamt

schwieriger für Dividendentitel. Zudem lehrt die Erfahrung, dass eine

Korrektur meist nicht sofort ausgestanden ist. "Es kann einige Wochen

dauern, bis wir eine Bodenbildung an den Aktienmärkten sehen", sagt

Frank Fischer von Shareholder Value. Und auch nach Meinung von

Helaba-Stratege Reinwand dürfte es zunächst noch "etwas ungemütlich

bleiben".

Doch eröffnen der Kursrückgang und mögliche weitere Verbilligungen

durchaus Chancen. Nach Einschätzung von Helaba und DZ Bank sind

Dax und europäische Aktien inzwischen fair bewertet. Auch fallen

ab November Belastungsfaktoren wie die US-Kongresswahlen weg und es

beginnt eine saisonal gute Phase für Aktien. Fischer ist

zuversichtlich: "Das Potenzial für eine Jahresendrally ist gegeben."

(Börsen-Zeitung, 13.10.2018)

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