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17.04.19

Börsen-Zeitung: Frühlingsstimmung, Kommentar zur chinesischen

Wirtschaft von Norbert Hellmann

Frankfurt (ots) - Chinas Wirtschaft hat im ersten Quartal ein

Wachstum von 6,4 Prozent hingelegt. Das ist genauso viel wie im

vorangegangenen Quartal und genauso wenig wie auf dem Höhepunkt der

Finanzkrise - insgesamt also eher kein Grund zum Jubeln. An

asiatischen und westlichen Börsen zeigt man sich indes hoch erfreut,

denn es sieht nun ganz danach aus, dass die weltweit zweitgrößte

Volkswirtschaft dem zuletzt heftigen Abkühlungsdruck standzuhalten

vermag und die bislang von der Zentralregierung verabreichte

Stimulierungsmedizin ihre Wirkung entfaltet. Der chinesische Patient

befindet sich nun in stabiler Seitenlage, könnte man auch sagen.

Zwei wesentliche Risikofaktoren für die Weltwirtschaft in diesem

Jahr beginnen sich damit zu entschärfen: Chinas Wirtschaft als

besonders wichtige Kraft für die globale Konjunktur scheint trotz

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einiger Kreislaufschwäche nicht zwangsläufig weiter zu erlahmen. Im

Handelskonflikt zwischen China und den USA wiederum gibt es zwar noch

keinen endgültigen Durchbruch, aber genügend Annäherungsmanöver, um

darauf zu hoffen, dass der für quälende Unsicherheit sorgende

Konflikt in einer Handelsvereinbarung anstatt einer weiteren

Eskalation der Strafzollsystematik mündet.

Die jüngsten Monatsdaten aus dem Reich der Mitte machen noch etwas

stutzig. Die Industrieproduktion ist mit 8,5 Prozent nach zuvor 5,3

Prozent so kräftig angezogen, dass man eher an einen Ausreißer als

ein Indiz für eine nachhaltige Dynamisierung im verarbeitenden

Gewerbe denken mag. Im Zweifelsfall haben saisonale Faktoren im

Zusammenhang mit dem auch als Frühlingsfest bezeichneten chinesischen

Neujahr und eine von handelspolitischen Fortschritten geprägte

Stimmungswende erst einmal nur einen kräftigen Ruck durch die

chinesische Industrie gehen lassen.

Für Skeptiker ist dies Anlass genug, vor einem Double Dip - also

einer nur kurz währenden Stabilisierung des Wachstums mit der

nächsten Delle im raschen Anschluss - zu warnen. Der Double Dip ist

allerdings ein Phänomen, das man von westlichen Industrieländern,

aber nicht von China kennt. Die staatlichen Wirtschaftslenkungskräfte

haben dies stets zu verhindern gewusst.

Auch gegenwärtig sieht es danach aus, dass die Stimuli, allen

voran ein kräftiger fiskalischer Impuls über ein gewaltiges

Steuerentlastungspaket, gerade erst begonnen haben, Wirkung zu

entfalten - und zwar sowohl in der Industrie als auch beim

Konsumenten. Es duftet damit eher nach einem konjunkturellen Frühling

in China als nach einem schon wieder einsetzenden Herbst.

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