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15.05.19

Börsen-Zeitung: Bedingt traumhaft, Kommentar zum deutschen

Wirtschaftswachstum von Alexandra Baude

Frankfurt (ots) - Traumhaft - derart könnte man momentan vieles

bezeichnen: Die Frühlingsblumen blühen, die Tage werden länger, die

deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat die ersten drei WM-Spiele

gewonnen, und die hiesige Wirtschaft hat im ersten Quartal mit 0,4

Prozent kräftiger zugelegt, als noch vor einigen Wochen möglich

schien. Zu sehr ins Träumen geraten sollte man aber dennoch nicht.

Auch wenn die Grundlagen des Wachstums - robuster Arbeitsmarkt,

Lohnzuwächse und niedrige Zinsen - anhaltend verheißungsvoll sind,

gilt zu beachten, dass sich bei den Risikofaktoren ebenfalls nichts

Großes getan hat.

Der Brexit? Dem Gruselfaktor entsprechend bis maximal Halloween

verschoben. Anfang Juni will Premierministerin Theresa May abermals -

zum vierten Mal bereits - über ihren Brexit-Deal abstimmen lassen,

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eine Mehrheit ist aber weiter nicht in Sicht. Der sino-amerikanische

Handelsstreit? Droht erneut zu eskalieren angesichts der jüngst in

Kraft gesetzten bzw. angedrohten neuen Zölle.

Überhaupt ist US-Präsident Donald Trump derzeit der konjunkturelle

Risikofaktor Nummer 1. Bis Sonnabend dieser Woche muss er eine

Entscheidung bezüglich der im Raum stehenden US-Zölle auf Autoimporte

aus der EU treffen - und sei es, dass er nur eine neue Frist setzt.

Die wichtige deutsche Automobilbranche ist Hauptbetroffener dieses

Machtgehabes. Auch das einseitig von den USA aufgekündigte

Iran-Abkommen und die neu verhängten Sanktionen haben Auswirkungen

auf unsere Wirtschaft, nicht zuletzt über die Ölpreise. Solche

Unsicherheitsfaktoren sind Gift für die dringend nötigen

Investitionen seitens Unternehmen und privater Haushalte.

Aber auch die Uneinigkeit der Groko ist als Risikofaktor zu

benennen. Dass die nicht mehr ganz so dynamische Wirtschaft die

Steuereinnahmen weniger stark sprudeln lässt als in den vergangenen

Jahren, darf kein Argument sein, nun bei den Investitionen auf die

Bremse zu treten. Bildung, Forschung und die Digitalisierung gilt es

zu unterstützen, um die Konjunktur am Laufen zu halten. Auch in

Sachen Steuerrecht und Energiepolitik wäre Stillstand ein Alptraum

für die Wirtschaft.

Sehr viel hängt nun davon ab, wie sich das außenwirtschaftliche

Umfeld entwickelt. Insbesondere die stark exportabhängige Industrie

ist derzeit das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft und hofft auf ein

Wiederanlaufen der chinesischen Konjunktur. Noch können

Dienstleister, Bau und privater Konsum die Schwäche der Industrie

ausgleichen - verlassen darf man sich darauf aber nicht.

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Redaktion

Telefon: 069--2732-0

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